Volleyball Block Technik: Die erste Verteidigungslinie am Netz

Zwei Volleyballspieler beim Doppelblock am Netz mit ausgestreckten Händen über der Netzkante

Der Block entscheidet, bevor die Abwehr reagiert

Ein gut gestellter Block nimmt dem gegnerischen Angreifer die Hälfte des Feldes weg. Das ist keine Übertreibung — wenn zwei Spieler am Netz stehen und ihre Hände richtig positionieren, bleibt dem Angreifer nur ein schmaler Korridor. Ich habe Spiele erlebt, in denen ein dominanter Block den Gegner so frustriert hat, dass er anfing, vermehrt Fehler zu machen, weil er versuchte, um den Block herum zu spielen, statt durch ihn hindurch.

Blocken ist die einzige defensive Aktion, die direkt Punkte erzeugt. Ein sauberer Stuff-Block — der Ball prallt vom Block ins gegnerische Feld — ist spielentscheidend und demoralisierend für den Gegner. In den folgenden Abschnitten zeige ich dir, wie du die Grundposition, das Timing und die Handarbeit am Netz verbesserst.

Grundposition und Beinarbeit vor dem Block

Deine Blockposition beginnt nicht beim Sprung, sondern beim Stand. Steh etwa einen halben Meter vom Netz entfernt, die Hände auf Schulterhöhe, die Knie leicht gebeugt. Dein Blick geht durch das Netz zum gegnerischen Zuspieler — nicht zum Ball. Der Zuspieler zeigt dir, wohin der Angriff geht, bevor der Ball den Angreifer erreicht.

Die seitliche Bewegung am Netz ist entscheidend. Du musst schnell vom Mittelblock zur Außenposition wechseln können — und umgekehrt. Dafür gibt es zwei Techniken: den Sidestep für kurze Distanzen und den Crossover-Schritt für längere Wege. Beim Sidestep bleibst du mit dem Gesicht zum Netz und machst schnelle Seitwärtsschritte. Beim Crossover drehst du dich leicht, machst einen großen Überkreuzschritt und drehst dich vor dem Sprung wieder zum Netz. Übe beide Varianten, bis du sie ohne Nachdenken einsetzen kannst.

Ein häufiger Fehler: zu nah am Netz stehen. Wenn du direkt am Netz stehst, kannst du nicht mehr nach oben springen, ohne das Netz zu berühren — und das ist ein Foul. Der halbe Meter Abstand gibt dir den Raum, den du für den vertikalen Absprung brauchst, und ermöglicht dir gleichzeitig, die Hände über die Netzkante zu bringen.

Timing: Wann springst du zum Block?

Das Timing beim Block ist alles. Zu früh, und du bist schon auf dem Weg nach unten, wenn der Angreifer schlägt. Zu spät, und deine Hände kommen nicht rechtzeitig über das Netz. Die Faustregel: Springe, nachdem der Angreifer abgesprungen ist — mit einer minimalen Verzögerung. Du reagierst auf seinen Absprung, nicht auf den Ball.

In der Praxis hängt das Timing vom Tempo des gegnerischen Angriffs ab. Bei einem hohen Außenball hast du mehr Zeit und kannst etwas später springen. Bei einem schnellen Mittelangriff musst du fast gleichzeitig mit dem Angreifer in der Luft sein. Diese Unterscheidung zu lernen, erfordert Spielerfahrung — es gibt keine Formel, die für jeden Angriff passt.

Was mir geholfen hat: Beobachte den Anlauf des Angreifers. Ein langer Anlauf deutet auf einen vollen Angriffsschlag hin — springe etwas später. Ein kurzer Anlauf oder gar kein Anlauf deutet auf einen Lob oder Legerball hin — springe gar nicht, sondern bleib am Boden und bereite dich auf die Abwehr vor. Der Block ist nicht die Antwort auf jeden Ball — zu wissen, wann du nicht blocken solltest, ist genauso wichtig wie die Blocktechnik selbst.

Handpositionierung über dem Netz: Hände aktiv einsetzen

Deine Hände sind beim Block aktiv, nicht passiv. Ein häufiger Anfängerfehler: Die Hände werden einfach hochgehalten wie Schilder, ohne Spannung und ohne Richtung. Ein effektiver Block presst die Hände aktiv über das Netz in Richtung des gegnerischen Feldes. Die Finger sind gespreizt und gespannt, die Handgelenke leicht nach vorn gebeugt.

Die Positionierung hängt davon ab, ob du die Gerade oder die Diagonale blockst. Wenn du die Gerade blockst, stehen deine Hände vor dem Angreifer, die äußere Hand ist leicht nach innen gedreht, um den Ball ins Feld zu lenken. Wenn du die Diagonale blockst, verschiebst du deine Hände in Richtung der Feldmitte. Die innere Hand muss dabei besonders aktiv sein — sie verhindert, dass der Ball zwischen deinen Händen und dem Netz durchrutscht.

Ein Tipp, den ich jedem Blockspieler gebe: Schau nicht auf deine Hände, wenn du blockst. Schau auf die Schlaghand des Angreifers. Sie zeigt dir in der letzten Zehntelsekunde, wohin der Ball geht. Deine Hände müssen schon positioniert sein, bevor du diese Information bekommst — aber kleine Anpassungen in der Luft sind möglich und oft spielentscheidend.

Doppelblock: Koordination mit dem Nebenmann

Der Doppelblock ist die Standardformation gegen Außenangriffe. Zwei Spieler springen gemeinsam und bilden eine breite Mauer. Das klingt einfach, erfordert aber Koordination: Beide Spieler müssen gleichzeitig springen, auf gleicher Höhe sein und eine geschlossene Front bilden — keine Lücke zwischen den Händen, durch die der Ball hindurchfliegen kann.

Der Außenblocker ist für die Grundposition zuständig — er steht an der Außenantenne und definiert die äußere Begrenzung des Blocks. Der Mittelblocker läuft zum Außenblocker und schließt die Lücke von innen. Der Mittelblocker passt sich an den Außenblocker an, nicht umgekehrt. Wenn der Außenblocker die Gerade nimmt, schließt der Mittelblocker zur Diagonale. Wenn der Außenblocker die Diagonale nimmt, deckt der Mittelblocker die Gerade.

Die häufigste Fehlerquelle im Doppelblock: Der Mittelblocker kommt zu spät und springt eine Armlänge neben dem Außenblocker. Das erzeugt genau die Lücke, die ein erfahrener Angreifer sofort nutzt. Deshalb ist die seitliche Geschwindigkeit des Mittelblockers so entscheidend — er muss in weniger als zwei Sekunden vom Mittelblock zur Außenposition wechseln und dort synchron springen.

Am Netz wachsen durch Spielerfahrung

Blocken lernst du am Netz, nicht im Trockentraining. Jeder Angreifer hat andere Gewohnheiten, jede Spielsituation erfordert andere Entscheidungen. Je mehr Spieler du blockst, desto schneller erkennst du Muster und desto besser wird dein Timing. Stell dich ans Netz, spring, mach Fehler, lerne. Die Blocktechnik im Detail einordnen kannst du in meinem Überblick zu Volleyball Technik Tipps.

Darf man beim Block über das Netz greifen?

Ja, beim Block ist es ausdrücklich erlaubt, die Haende über die Netzkante in den gegnerischen Luftraum zu bringen — aber nur, wenn der Angreifer den Ball bereits geschlagen hat oder der Ball sich auf deiner Seite befindet. Du darfst den Angriff nicht stoeren, bevor der Angreifer den Ball beruehrt.

Wie koordiniere ich den Doppelblock mit meinem Mitspieler?

Der Aussenblocker definiert die Position und der Mittelblocker schliesst die Luecke. Absprache vor dem Spielzug über Handzeichen hinter dem Ruecken hilft: Ein Finger für Gerade, zwei Finger für Diagonale. Beide springen gleichzeitig und auf gleicher Hoehe, ohne Luecke zwischen den Haenden.

Erstellt von der Redaktion von „Volleyball Tipps“.

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