Volleyball Schmettern lernen: Der Angriffsschlag Schritt für Schritt

Volleyballspieler beim Angriffsschlag am Netz mit vollem Armzug in der Luft

Der Moment, der süchtig macht

138 km/h — der schnellste jemals gemessene Aufschlag im Männervolleyball, geschlagen von Wilfredo Leon. Angriffsschläge erreichen ähnliche Geschwindigkeiten, und selbst auf Hobbyebene ist der Schmetterball die Aktion mit dem größten Adrenalinausstoß. Das erste Mal, wenn du den Ball im Sprung triffst und er auf der gegnerischen Seite einschlägt, vergisst du nicht. Es ist der Grund, warum viele mit Volleyball anfangen — und weitermachen.

Aber der Angriffsschlag ist auch die komplexeste Technik im Volleyball. Er besteht aus vier Phasen, die in weniger als zwei Sekunden ablaufen: Anlauf, Absprung, Armzug und Kontakt. Jede Phase hat ihre eigene Technik, und ein Fehler in einer Phase pflanzt sich in die nächste fort. In den folgenden Abschnitten zerlege ich den Schmetterball für dich.

Der Anlauf: Rhythmus und Richtung

Der Anlauf ist das Fundament des Angriffsschlags. Ohne guten Anlauf kein guter Sprung, ohne guten Sprung kein guter Schlag. Rechtshänder laufen in der Regel mit einem Drei-Schritt-Anlauf an: links-rechts-links. Der erste Schritt ist lang und langsam, er gibt die Richtung vor. Der zweite Schritt ist der schnelle Auftaktschritt, der die Beschleunigung einleitet. Der dritte Schritt ist der Stemmschritt — der Fuß setzt vor dem Körper auf und bremst die Vorwärtsbewegung, sodass die horizontale Energie in vertikale umgewandelt wird.

Der Rhythmus ist entscheidend: langsam-schnell-schnell. Nicht gleichmäßig, nicht hektisch, sondern mit einer klaren Beschleunigung vom ersten zum letzten Schritt. Ich vergleiche es mit einem Anlauf beim Weitsprung — du baust Geschwindigkeit auf und überträgst sie im letzten Moment in den Absprung.

Die Richtung des Anlaufs bestimmt deinen Angriffswinkel. Als Außenangreifer läufst du leicht schräg von außen nach innen an, um das gesamte Feld als Zielbereich zu haben. Ein gerader Anlauf parallel zum Netz schränkt deine Schlagwinkel ein und macht dich vorhersagbarer. Übe den Anlauf zuerst ohne Ball, bis der Rhythmus und die Richtung automatisch sind.

Absprung und Timing: Den höchsten Punkt treffen

Die durchschnittliche Körpergröße männlicher Volleyball-Profis liegt bei etwa 193 cm — aber der Absprung gleicht Größenunterschiede aus. Ein Spieler, der 180 cm groß ist und 60 cm vertikal springt, erreicht einen höheren Schlagpunkt als ein Spieler mit 195 cm und 40 cm Sprunghöhe. Deshalb ist die Qualität des Absprungs so entscheidend.

Beim Stemmschritt setzen beide Füße fast gleichzeitig auf, schulterbreit. Die Arme schwingen beim Anlauf nach hinten und reißen beim Absprung kraftvoll nach oben — das gibt zusätzlichen Schwung. Der Absprung erfolgt explosiv aus beiden Beinen, mit voller Streckung in Hüfte, Knien und Sprunggelenken. Je schneller die Umkehr von der Abwärtsbewegung in den Sprung, desto höher fliegst du.

Das Timing zwischen Anlauf und Ball ist der schwierigste Teil. Du musst abspringen, bevor der Ball am höchsten Punkt ist, weil du eine Flugzeit brauchst, um dorthin zu kommen. Anfänger springen zu spät — der Ball ist schon auf dem Weg nach unten, und sie treffen ihn auf Schulterhöhe statt über dem Kopf. Die Faustregel: Wenn der Zuspieler den Ball berührt, startest du deinen Anlauf. Das genaue Timing hängt von der Ballgeschwindigkeit und der Distanz ab und kommt nur durch Wiederholung.

Armzug und Handkontakt: Kraft und Kontrolle

In der Luft passiert alles gleichzeitig und schnell. Dein Schlagarm geht nach hinten, der Ellbogen ist hoch über der Schulter, wie ein Bogenschütze, der die Sehne spannt. Dein Oberkörper dreht sich leicht zur Schlagseite, um Rotationsenergie aufzubauen. Dann schnellt der Arm nach vorn — der Ellbogen führt, die Hand folgt. Der Kontakt erfolgt mit der gesamten Handinnenfläche am höchsten Punkt deiner Reichweite.

Der Schlag kommt nicht aus dem Arm allein. Die Kraft entsteht durch die Rotation von Hüfte und Rumpf — eine Kette, die in den Beinen beginnt und sich über den Oberkörper bis in die Fingerspitzen überträgt. Wenn du nur den Arm benutzt, fehlt dir Geschwindigkeit und du belastest deine Schulter einseitig. Denk an die Bewegung wie an einen Wurf — ein Handballwurf nutzt den ganzen Körper, und ein Angriffsschlag im Volleyball funktioniert genauso.

Die Hand ist beim Kontakt leicht geöffnet und steif. Du triffst den Ball im oberen Drittel, nicht in der Mitte. Das erzeugt Topspin, der den Ball nach unten ins Feld zieht — je mehr Topspin, desto aggressiver die Flugbahn. Das Handgelenk klappt nach dem Kontakt nach unten, die Finger umgreifen den Ball kurz. Diese letzte Bewegung gibt dem Ball Rotation und Richtung.

Drei Übungen für den Angriffsschlag

Übung eins: Schlagen aus dem Stand. Kein Anlauf, kein Sprung. Ein Partner wirft dir den Ball auf Kopfhöhe zu, und du schlägst ihn mit dem Armzug über das Netz. Diese Übung isoliert die Armbewegung und den Ballkontakt von der Komplexität des Anlaufs. Zwanzig Schläge, Fokus auf den Treffpunkt und die Handstellung.

Übung zwei: Anlauf ohne Ball. Laufe den Drei-Schritt-Anlauf und springe so hoch du kannst. Am höchsten Punkt simulierst du den Armzug, ohne einen Ball zu schlagen. Konzentriere dich auf den Rhythmus und den Stemmschritt. Zehn Wiederholungen, dann mit Ball kombinieren.

Übung drei: Angriff auf den Tennisball-Korb. Stelle einen Korb oder Kasten auf der gegnerischen Seite in die Ecke und versuche, den Ball dort hineinzuschlagen. Das trainiert die Richtungskontrolle unter realistischen Bedingungen. Zehn Angriffe nach rechts, zehn nach links. Wenn du triffst, wirst du überrascht sein, wie gut sich gezieltes Schlagen anfühlt.

Vom Techniktraining zum Spielinstinkt

Der Angriffsschlag wird nicht im Kopf gemeistert — er wird im Körper gespeichert. Je öfter du den Ablauf wiederholst, desto weniger denkst du darüber nach und desto natürlicher wird die Bewegung. Am Anfang zerlege die Phasen, übe sie einzeln und setze sie schrittweise zusammen. Der Moment, in dem Anlauf, Absprung und Schlag zu einer einzigen fließenden Bewegung werden, kommt — und er kommt schneller, als du denkst. Die Einordnung des Angriffsschlags in das Gesamtbild aller Techniken findest du in meinem Artikel zu Volleyball Technik Tipps.

Wie bekomme ich mehr Kraft in meinen Angriffsschlag?

Die Kraft kommt nicht aus dem Arm, sondern aus der Körperkette: Beine, Hüftrotation, Rumpf und Arm. Trainiere die Körperrotation beim Schlag und achte auf einen hohen Treffpunkt bei gestrecktem Arm. Zusaetzliches Core-Training verstaerkt die Rotationskraft, die den Ball beschleunigt.

Wie viele Schritte hat der Anlauf beim Schmettern?

Der Standardanlauf für Rechtshaender besteht aus drei Schritten: links-rechts-links. Der Rhythmus ist langsam-schnell-schnell. Es gibt auch einen Zwei-Schritt-Anlauf für kurze Baelle in der Mitte, aber Anfänger sollten zuerst den Drei-Schritt-Anlauf beherrschen, bevor sie Varianten ueben.

Erstellt von der Redaktion von „Volleyball Tipps“.

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