Volleyball Pritschen lernen: Fingerspitzengefühl für das obere Zuspiel

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Pritschen trennt Anfänger von Fortgeschrittenen
Baggern kann jeder nach einer Stunde halbwegs. Pritschen nicht. Das obere Zuspiel — auch Setting genannt — erfordert ein Gefühl für den Ball, das sich nicht in einer Trainingseinheit entwickelt. Ich erinnere mich an meine ersten Versuche: Der Ball rutschte durch meine Finger, der Schiedsrichter pfiff ständig „Führen“, und ich konnte nicht verstehen, warum mein Zuspiel so anders aussah als das des erfahrenen Spielers neben mir. Es hat Wochen gedauert, bis der erste Pass sauber war. Aber dann hat sich mein gesamtes Spiel verändert.
Pritschen ist die präziseste Technik im Volleyball. Ein gutes oberes Zuspiel platziert den Ball zentimetergenau — das kann kein Bagger leisten. Deshalb wird das Zuspiel fast immer im Pritschen ausgeführt, und deshalb lohnt es sich, diese Technik wirklich zu verstehen.
Handstellung: Die richtige Fingerposition beim Pritschen
Deine Hände formen über der Stirn eine Schale — nicht ein Dreieck, wie es oft heißt, sondern eine dreidimensionale Form, in die der Ball kurz eintaucht. Die Daumen zeigen nach hinten, die Zeigefinger nach oben, und die restlichen Finger sind gespreizt und leicht gebeugt. Der Abstand zwischen den Daumenspitzen beträgt etwa drei bis vier Zentimeter.
Der Ballkontakt erfolgt an den Fingerkuppen — nicht an den Handflächen. Das ist der entscheidende Unterschied zum Fangen. Wenn der Ball deine Handflächen berührt, hältst du ihn zu lange, und der Schiedsrichter pfeift ein Foul. Die Finger federn den Ball kurz auf und spielen ihn sofort weiter — ein impulshafter Kontakt, der weniger als eine Zehntelsekunde dauert.
Wie findest du die richtige Handstellung? Halte beide Hände über deinen Kopf und schaue durch die Lücke zwischen Daumen und Zeigefingern nach oben. Du solltest den Himmel sehen — oder die Hallendecke. Dieses Fenster ist die Zielzone für den Ball. Er kommt durch dieses Fenster in deine Hände und verlässt sie in die gleiche Richtung, in die du spielen willst.
Körperhaltung und Fußstellung: Unter dem Ball ankommen
Beim Pritschen gilt eine Regel noch strenger als beim Baggern: Du musst unter dem Ball sein. Nicht neben ihm, nicht hinter ihm — unter ihm. Der Ball muss senkrecht auf deine Stirn fallen, wenn du ihn nicht spielen würdest. Aus dieser Position kannst du ihn in jede Richtung spielen, ohne die Technik zu verdrehen.
Die Fußstellung ist schulterbreit, ein Fuß leicht vor dem anderen in Spielrichtung. Die Knie sind gebeugt, der Oberkörper leicht nach hinten geneigt. Dein Blick geht nach oben durch das Handfenster zum Ball. Die Kraft für das Zuspiel kommt aus den Beinen: Du streckst dich beim Spielen aus der gebeugten Position und gibst dem Ball über die Beinstreckung Energie. Die Arme strecken sich gleichzeitig, aber sie sind nur der letzte Teil der Kette.
Ein Fehler, den ich ständig sehe: Spieler stehen aufrecht und spielen den Ball nur mit den Händen. Ohne Beinarbeit fehlt die Kraft, und du kompensierst mit einem längeren Ballkontakt — was zum Foul führt. Denk an das Pritschen als eine Ganzkörperbewegung: Beine, Rumpf, Arme und Finger arbeiten zusammen wie ein Katapult, das sich spannt und löst.
Die Beinarbeit zum Ball ist genauso entscheidend wie die Handstellung. Mach kleine, schnelle Schritte, um dich unter den Ball zu bewegen. Große Schritte sind langsamer und bringen dich oft in eine instabile Position. Sobald du stehst, richtest du dich aus: Deine Hüfte zeigt in die Richtung, in die du spielen willst. Dann kommt der Kontakt.
Vier Übungen für sauberes Pritschen
Übung eins: Pritschen über Kopf. Steh frei und spiele den Ball senkrecht nach oben, so hoch du kannst. Fange ihn, setze dich neu auf und spiele ihn wieder. Nach zehn sauberen Kontakten mit Fangen: versuche es ohne Fangen, also Dauerpritschen nach oben. Ziel: zwanzig Kontakte am Stück. Diese Übung trainiert die Dosierung und die Handstellung unter kontrollierten Bedingungen.
Übung zwei: Wandpritschen. Steh zwei Meter von der Wand entfernt und prische den Ball im Dauertakt gegen die Wand. Der Ball kommt schneller zurück als bei einem Partner, also musst du deine Hände sofort wieder in Position bringen. Dreißig Kontakte ohne Unterbrechung sind ein gutes Ziel. Variiere die Höhe: Mal hoch an die Wand, mal flach — das trainiert verschiedene Spielwinkel.
Übung drei: Pritschen im Gehen. Spiele den Ball senkrecht über deinem Kopf und bewege dich dabei durch die Halle — vorwärts, rückwärts, seitwärts. Der Ball muss immer senkrecht über dir bleiben. Diese Übung zwingt dich, die Beinarbeit und die Handtechnik gleichzeitig zu koordinieren, genau wie im Spiel.
Übung vier: Zielpritschen mit Partner. Stelle einen Kasten oder Eimer auf die Seite und prische den Ball aus fünf Metern Entfernung so, dass er im Kasten landet. Das trainiert die Richtungspräzision, die du als Zuspieler oder bei der Annahme brauchst. Variiere die Distanz und den Winkel, um verschiedene Spielsituationen zu simulieren.
Pritschen braucht Geduld — und belohnt sie
Pritschen ist die Technik, die am längsten dauert, bis sie sauber sitzt. Die Fingerkoordination, die Dosierung, das Timing — alles muss zusammenspielen. Aber wenn es einmal funktioniert, wird dein gesamtes Spiel präziser. Ein sauberes Zuspiel öffnet deinem Team Angriffsmöglichkeiten, die mit einem Bagger nicht erreichbar wären. Investiere die Zeit, übe die Handstellung bis sie automatisch ist, und hab Geduld mit dir selbst. Den Kontext, wie Pritschen ins Gesamtbild der Grundtechniken passt, findest du bei meinen Volleyball Technik Tipps.
Wann pfeift der Schiedsrichter beim Pritschen ein Foul?
Der Schiedsrichter pfeift, wenn der Ball zu lange in deinen Haenden bleibt — das sogenannte ‚Fuehren‘ oder ‚Doppelkontakt‘. Der Kontakt muss kurz und impulsartig sein. Wenn der Ball sichtbar in deinen Haenden ruht oder du ihn faengst und schiebst, ist es ein Foul. Trainiere einen kurzen, federnden Kontakt an den Fingerkuppen.
Wie übe ich Pritschen, wenn ich noch unsichere Finger habe?
Beginne mit weicheren Baellen oder leicht aufgepumpten Volleybaellen, die weniger Druck auf die Finger ausueben. Uebe zuerst das Pritschen senkrecht über dem Kopf mit Fangen nach jedem Kontakt. Steigere schrittweise: mehrere Kontakte am Stück, dann Wandpritschen, dann Partnerübungen. Deine Finger werden mit der Zeit kräftiger und sicherer.
Erstellt von der Redaktion von „Volleyball Tipps“.
